Hallo Welt!

Was mach’ ich eigentlich?! Kims Job

Schon als Kind wollte ich am Liebsten immer basteln und Malen. Ich konnte stundenlang in meinem Zimmer sitzen und Kinderkassetten hören, während ich mit Pinsel und Farbe meine Feelings auf Papier brachte. Viel hat sich seitdem nicht geändert eigentlich. (FOTOS // COLLAGE Kim Kind https://drive.google.com/drive/folders/1hb8d2y8bGywUdk51kY0mezChRnIxKEP1?usp=sharing ) Ich ging in den Kindergarten, in die Schule und aufs Gymnasium und mir war immer klar, dass ich einen kreativen Beruf ausüben wollte, was Anderes kam nicht in Frage, denn Mathe und Naturwissenschaften interessierten mich absolut überhaupt gar nicht. Während der letzten Jahre auf der Schule entdecke ich eine andere Leidenschaft: Die Musik, bzw. wollte ich gerne auch so sein wie Avril Lavigne und fing an, Songs zu schreiben und mir Akkorde auf der Gitarre beizubringen. Alles immer alleine in meinem Zimmer, bis ich auf ein paar Boys traf, die mit mir zusammen meine erste Band gründeten: The Kimberlakes. Von 2007 bis 2012 machten wir Country-Pop mit englischen Texten und spielten ein paar viele Live Gigs, aber der große Durchbruch gelang uns nie. 

Ich bewarb mich 2006 noch vor dem Abitur mit einer Mappe an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und wurde zur Aufnahmeprüfung eingeladen, die bestand ich und durfte im Oktober 2006 mit 29 anderen Studierenden das Studium namens Kommunikationsdesign starten. Während den 6 Jahren hab ich einfach alles ausprobiert, was man ausprobieren kann: Fotografie, Film, Buchdruck, Magazingestaltung, Illustration, ich hab Dinge in die Luft gesprengt, Musik gemacht, ein halbes Jahr gar nichts gemacht, mich verliebt, mich getrennt, mich neu verliebt, viel Alkohol getrunken und hatte unglaublich viele Nebenjobs, vom Osterhasen im Einkaufszentrum, Löwe im Stadion, Gorilla im Nachtclub, Hostess auf Messen, Guide im Museum, Kinderschminkerin auf Firmenevents, Flyerverteilerin für Neueröffnungen, Babysitterin, Sprecherin für Werbeclips, Kuh am Eisstand und vieles mehr! Nebenher habe ich natürlich auch immer wieder kleine Jobs für Friends + Family gemacht, hier mal ein Logo, hier ein Flyer, hier eine Einladung, da ein Poster und dort eine Broschüre, hier mal Bandfotos von Freunden, eine kleine Zeichnung hier und eine große Zeichnung da. 

2012 beendete ich mein Studium und fing an, in einer Firma als “Hausgrafikerin” zu arbeiten (Broschüren, Facebookbanner, Messestände, Produktfotos, Anzeigen), was mich irgendwann nur noch frustriert hat und ich gemerkt habe, dass ich das niemals für immer machen möchte: schwarze Buchstaben auf weißem Hintergrund hin- und herschieben, Facebookbanner gestalten und Fotos platzieren. Ich saß manchmal 2 Stunden vor dem Computer und hatte nichts zu tun. Das ist das schlimmste Gefühl für mich, vor allem zu wissen, dass ich in den zwei Stunden trotzdem Geld verdiene, obwohl ich nichts gemacht habe. Das hat mir ein unheimlich ungutes Gefühl gegeben, mit dem ich nicht leben konnte und wollte. Ich wechselte von der Vollzeit in die Teilzeit, war oft gelangweilt, unterfordert und krank und kündigte irgendwann, um mich komplett selbständig zu machen, hatte ich ja während des Studiums schon einen kleinen Stamm an Kunden angelegt (Sinfonieorchester Basel, ein Modelabel, Kultureinrichtungen, Bands und Künstler:innen und Clubs in Stuttgart). Ich hatte mein erstes eigenes Büro in einem Shared Space Office und konnte endlich das machen, was ich immer schon liebte: Den ganzen Tag Kinderhörspiele hören und Papier bunt machen! 2016 zog ein Mops bei mir ein, was ich in einem anderen Blogpost nochmal genauer beschreibe, der vom ersten Tag an mein Leben sehr bereichert hat und es immer noch tut. Ich fing 2016 auch an, in meiner Lieblingsboutique zu arbeiten, dem Schmachtfetzen. Zusammen mit der Inhaberin und mittlerweile guter Freundin Johanna bzw. dem Schmachtfetzen zog ich im Juni 2018 mit meinem Kram in neue Räumlichkeiten innerhalb Stuttgarts und Ende 2020 trennten sich unsere Wege wieder, ich fand ein hübsches Atelier im Lehenviertel in Stuttgart, wo ich heute zeichne, fotografiere, filme und Podcasts aufnehme! Wie ich arbeite, zeige ich ab sofort in meinem Blog, weil ich selbst immer spannend finde, wie andere kreative Menschen arbeiten und ich damit vielleicht auch dich inspirieren kann! Im Folgenden hänge ich Fragen aus der Community an und meine Antworten, das gibt vielleicht nochmal einen geileren Einblick!

Aber vorher noch ein paar Worte zu meinem anderen Standbein: Instagram! (Hätte mir vor 3 Jahren jemand gesagt, dass ich Instagram mal als STANDBEIN erwähne, hätte ich laut gelacht.) Mein Job als – ich nenne es gern – Content Creator auf Instagram kam nicht über Nacht und ich habe es auch nicht vorgehabt 😀 Ich fing 2016 mit Snapchat Content an, wo ich auch mal eine Kooperation mit Rivella und einem Parfüm (beides unbezahlt und Rivella schmeckte mir nicht mal…) hatte, das waren die ersten Anfänge für mich als “ich laber jeden Tag in die Kamera und lade das dann ins Internet”-Person. Als ich dann 2017 zu Instagram wechselte, baute sich dort erst so richtig meine Community auf, 

Fragen aus der Community:

Lehnst du auch Aufträge ab?

Natürlich lehne ich Aufträge ab. Das war aber nicht immer so, denn natürlich wird man nicht direkt nach dem Studium eine renommierte Grafikdesignerin und kann nur die Sachen machen, die man geil findet. Ich habe sehr viele Aufträge angenommen, vor denen ich “Angst” hatte, sie nicht zu schaffen, zeitlich oder auch weil ich es mir nicht zugetraut habe. Viele Jobs, die ich unbezahlt gemacht habe, haben mir aber widerum andere Jobs ermöglicht, die gut bezahlt waren und ich konnte so meine Skills austesten, neue Dinge probieren. Heute sage ich Aufträge ab, die sich nicht gut für mich anfühlen, beispielsweise mache ich keine Logogestaltung mehr, weil ich nie wirklich angemessen dafür bezahlt wurde. (Preisgestaltung als selbständige Designerin ist ja auch so n Ding, aber das ist ein anderes Thema).

Wie bekommst du Aufträge?

Ich habe mich noch nie für einen Job beworben tatsächlich. Alle Aufträge kamen über Verbindungen, oder Menschen, die meine Arbeit irgendwo gesehen haben und genau mich für ihren Auftrag wollen! Dafür bin ich total dankbar!

Wie viele Aufträge hast du parallel?

Da ich nicht gut im Planen und Organisieren bin, verzettel ich mich manchmal auch und habe auch schon mal 15 Projekte gleichzeitig bearbeitet. Das passiert leider auch dann, wenn ein Projekt zugesagt wird, die Inhalte aber nicht rechtzeitig geliefert werden und dann schon ein neues Projekt ansteht und so weiter. Das hat mich schon oft aus der Bahn gehauen, denn ich bin eine One-Woman-Show und darf mich um alles kümmern, vom Auftrag, über die Verträge, das Design, das Konzept, die Reinzeichnung, Druckereien, Rechnungen schreiben usw. 

Wie berechnest du deinen Stundensatz?

Ich orientiere mich dabei an diesem Design-Blog: https://page-online.de/branche-karriere/stundenlohn-berechnen-tipps-fuer-designer/

Wie schaffst du es, neben all deinen Jobs auch noch den Haushalt zu machen und zu entspannen?

Damit habe ich tatsächlich große Struggles! Es wird immer besser, aber ich lebe mittlerweile nach meinem Zyklus und achte sehr darauf, wie mein mentaler Zustand ist, ob ich kreativ bin oder eben grade nicht. Ich habe aufgehört, jeden Tag von 9 bis 5 durchzuarbeiten. Ich funktioniere so nicht. Ich mache den Haushalt, wenn ich Bock habe, den Haushalt zu machen. Manchmal steht dann schon mal das Geschirr 4 Tage ungespült in der Spüle oder der Papiermüll stapelt sich, bis er umfällt. Ich bin aber an manchen Tagen auch höchst effizient und arbeite non stop, weil es mir so viel Spaß macht, sodass ich auch manchmal vergesse, was zu essen, oder aufs Klo zu gehen. Dass Entspannung zwischendurch wichtig ist, habe ich oft ignoriert. Weil mir ja alles so viel Spaß macht. Dass aber Essen, Trinken und Pausen existenziell wichtig sind, wurde mir erst bewusst, als ich einfach durchgebrannt bin und meine Festplatte durchgeschmort ist. Das war 2019 als eh alles irgendwie zu viel war (Ich berichte darüber hier (Blogpost zu meinem Krisenjahr 2019 einfügen) und ich habe verstanden: Ich muss was ändern! Zum ersten Mal in meinem Leben hab ich meditiert, mich zurückgezogen, Zeit mit mir allein verbracht und kapiert, dass ich mich in der Natur am besten entspannen kann und meine Akkus draußen im Wald am besten aufladen kann!

Welche Nachteile gibt es in der Selbständigkeit?

Ich bin alles. Das stresst mich oft und ich habe erst 2020 so richtig verstanden, dass ich Aufgaben, die mir nicht liegen, auch abgeben kann. Stichwort Verträge: Würde ich im Nachhinein 100€ für jedes Projekt kriegen, in das ich Zeit investiert habe, sich die Auftraggebenden dann aber nie wieder gemeldet haben, hätte ich ziemlich viel Geld auf dem Konto. Deshalb sollte man sich angewöhnen, Verträge mit den Menschen zu machen, mit denen man arbeitet. Viel zu oft habe ich extrem viel Zeit in Logos oder Entwürfe gesteckt, nie wieder was von den Auftraggebern gehört und dann irgendwann mein Logo trotzdem irgendwo gesehen. Einen Anwalt und die Kosten für diesen einzusetzen war es mir dann aber nie wert. Außerdem ist die Existenzangst etwas, womit ich oft Probleme habe, denn die ist unterschwellig immer da. Einen Auftrag nicht anzunehmen, bedeutet auch kein Geld zu haben. So kann es sein, dass ein Monat mal nur 400€ reinkommen, damit muss man erstmal lernen umzugehen und nicht durchzudrehen, so wie ich das oft gemacht habe und mir dann 20 neue Projekte suche, die ich dann im nächsten Monat zusätzlich zu den anderen 15 Projekten machen kann und ich dann wieder ausgebrannt bin und mich darum kümmern muss, dass Auftraggeber ihre Deadlines mit Inhalten einhalten und sich nicht alles wieder verschiebt. (Es ist in 99% der Fälle so). Die Existenzangst geht bei vielen Selbständigen auch einher mit einer Art Sucht nach Arbeit. Ich muss mich da selbst oft dran erinnern, wenn ich abends beim Essen denke: Hab ich heute genug gemacht? Waren die 7 Stunden produktiv, oder könnte ich nicht noch kurz die Logo-Datei nochmal neu exportieren und dann noch 3 Emails bearbeiten, eventuell noch schnell die Rechnung für den letzten Kunden doch schon heute fertig machen, dass das Geld noch vor dem Urlaub ankommt? Was war nochmal Urlaub? 

Wer zahlt deine Versicherungen? Altersvorsorge?

Gehört auch ein bisschen zur letzten Frage: Etwas, was dir erstmal niemand sagt, wenn du dich selbständig machst: Du musst alles selber zahlen, außer du bist (wie ich) in der Künstlersozialkasse aufgenommen, die zahlen die Hälfte deiner Krankenversicherung. Für alle anderen Versicherungen und Altersvorsorge musst du dich selbst kümmern und das kann ganz schön anstrengend und unsexy sein.

Hast du mal in einer Werbeagentur gearbeitet?

Nur als Freelancerin, also nur zeitlich begrenzt für zwei Projekte und eine Woche als Praktikum. Mir hat das nie Spaß gemacht, weil alles immer UNHEIMLICH lange gedauert hat. Ich bin ja gewohnt, alles alleine zu machen, also Kontakt zum Kunde, Layout, Text, Foto, Reinzeichnung, Druckauftrag. In den Agenturen hat jeder Schritt eine bearbeitende Person zugeteilt. So habe ich zb. zwei Wochen an 4 Artikeln für eine Sportzeitschrift gearbeitet, was ich normalerweise in 2 Stunden hätte machen können. Aber an diesem Artikel haben mehrere Menschen gearbeitet, die bei jeder Korrektur vom Kunden wiederum ihre Korrekturen einbringen mussten und so dauert das dann eben seine Zeit. Das hat mich wahnsinnig gemacht und ich könnte mir auch nicht vorstellen, Werbung für Produkte zu machen, die ich scheiße finde 😀

Danke für deinen Besuch! 

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