Diplomarbeit 2012 / 2013 entstanden an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart unter der Leitung von Prof. Hans–Georg Pospischil

Lyrixxx: Die Wortkreation ist eine Verbindung des englischen Substantivs “lyric” (Einzahl: “lyric” deutsch: Songtext) und der Buchstabenfolge XXX, welche eine Kennzeichnung von sexuellen und pornographischen Inhalten ist (“X-Rating” = „nicht jugendfrei“).

Am Anfang war die Musik und dann der Sex. Charles Darwin behauptete in „Der Ausdruck der Gemütsbewegung bei dem Menschen und den Tieren“ (1910: 76ff.), der Ursprung der Musik liege in den Balzlauten der Tiere, deren Gesang Mittel der natürlichen Zuchtwahl sei. Viele Studien beschäftigten sich schon mit dieser These und es wird diskutiert, ob es nicht etwa die Neandertaler waren, die Musik entwickelten, um damit – wie die Tiere – Weibchen anzulocken. Das würde natürlich einiges erklären. Zum Beispiel wieso in fast allen Kulturen gesungen wird. Oder warum das Musikbusiness von Männern beherrscht wird. Und klar wäre dann auch endlich, warum die fettesten, ältesten Rockmusiker immer die geilsten Schnecken abbekommen. Man kann sich viele Gedanken machen über dieses umfassende Thema „Sex und Musik“. Grenzen wir es aber nun etwas ein und schauen uns mal an, wo man denn überall Sex in der Musik findet.

In Musikvideos, ganz klar. (Du darfst gerne kurz innehalten und dir ein paar sexy Musikvideos ins Gedächtnis rufen.) Halbnackte Frauen in Rap-Videos sind für uns heutzutage fast normal, stöhnende Sängerinnen mittags im Radio an der Tagesordnung und 13-Jährige Teenager, die “Can you blow my whistle, baby!” in der großen Pause über den Hof brüllen – nichts Besonderes mehr. Da fragt man sich doch: war früher alles besser? Wovon hat eigentlich Elvis Presley in seinem Song “I need your love tonight” gesungen? Der hat doch auch ordentlich die Hüften geschwungen und Mädchen dazu gebracht, ihre Höschen auf die Bühne zu werfen. Was meint Rapper Flo Rida eigentlich mit “blow my whistle, baby” und Christina Aguilera mit “you gotta rub me the right way”. Die Songs sind alle Nummer-Eins-Hits gewesen, Menschen singen heute noch die Texte mit,obwohl man gar nicht so genau hinhört und sich Gedanken über den Inhalt macht.

Dank dem Internet gibt es für jedes Jahr eine Liste, welche jeden einzelnen Nummer-Eins-Hit auflistet. Das sind von 1958-2012 insgesamt 1050 Songs. Wie viel Sex gab und gibt es in den Charts, nur bezogen auf Songtexte (englisch: Lyrics)? Alle Texte dieser 1050 Songs wurden von mir unter die Lupe genommen in Bezug auf sexuellen Inhalt. Dabei wurde nicht nur das Wort „Sex“ berücksichtigt, sondern auch Phrasen wie z.B. “Can you blow my whistle, baby” (Flo  Rida, “Blow my whistle”, 2012) oder “I can imagine you touching my private parts“ (Toni Braxton, “You‘re makin’ me high” 1996).

Was ist überhaupt ein Hit?
Ein Lied ist ein Hit, wenn es von Konsumenten so akzeptiert wird, dass diese es scharenweise downloaden, oder die CDs im Laden kaufen, bis das Lied schließlich in der Hitparade landet.

Das Billboard Magazine (gegründet 1894) ist das bedeutendste Fach- und Branchenblatt für Musik und Entertainment in den USA. Seit 1958 werden jährlich die offiziellen US-Verkaufscharts für Musikalben (“The billboard 200”) und Singles (“The billboard hot 100”) ermittelt.

Dies ist kein wissenschaftliches Buch mit Thesen, Beweisen und Theorie. Es ist auch kein schlaues Buch wie ein Lexikon, sondern viel mehr eine kleine Zeitreise, die die erfolgreichsten Chart-Hits ­­∕ welche etwas mit Sex zu tun haben – in Form der Illustration darstellt.

Wie viel Sex steckt denn also jetzt in den “billboard hot 100”-charts?